Die Besteigung des Hlíðarfjall

Sanfte Regentropfen prasseln auf das Zelt hernieder. Ich drehe mich nochmal um. Noch immer befinde ich mich am See Mývatn. Ursprünglich wollte ich heute weiter nach Akureyri reisen.

Nachdem ich mich einige Male herumgedreht hatte, kam irgendwann tatsächlich die Sonne hervorgekrochen. Je trockener das Zelt wurde, desto stärker überlegte ich, noch eine weitere Nacht hier zu bleiben.

Ich öffnete das Zelt, erspähte den strahlend blauen Himmel und wußte es. Es gibt hier noch so viel mehr zu sehen und ich wollte hier nicht nur Regen erlebt haben. Ich duschte, frühstückte und probierte mein 50mm-Objekt aus.

Route 1: Eldhraun

10 Uhr war mein Tagesrucksack gepackt und ich stiefelte los. Als Tagesziel hatte ich mir den Hlíðarfjall ausgesucht. Das ist ein 771 Meter hoher vulkanischer Berg im Nordosten von Mývatn. Die Route dorthin ist allerdings nicht gar so lang, daher spazierte ich vorher noch durch das Eldhraun, ein großes Lavafeld nördlich vom See. Entlang des Ufers kann man viele Vogelarten erblicken. Für brauchbare Bilder war ich allerdings zu laut: Die Vögel flogen zu schnell weit genug weg. Hier und da gibt es ausreichend große Steine für eine Rast. Bemerkenswert an denen war, daß mir beim Sitzen tatsächlich der Hintern eingeschlafen ist. Ein beinahe unmenschliches Kribbeln! Das hatte ich noch nie.

Etwa 40% des Eldhraun-Weges führen direkt entlang des Sees. Für Wasser-Liebhaber ist das der schönste Teil der Wanderroute. Die restlichen 5 km führen abseits des Sees durch das Lavafeld zurück in Richtung Reykjahlíð. Kurz vor dem zweiten Zeltplatz im Ort passiert man den kleinen Flugplatz. Etwa stündlich hebt hier eine Propellermaschine für einen Rundflug ab – natürlich nur bei gutem Wetter. Das ist auch weitgehend die einzige Lärmquelle, denn ansonsten ist es angenehm ruhig.

Route 2: Hlíðarfjall

Von hier aus startet auch gleich der andere Wanderweg zum Hlíðarfjall. Der Weg ist angenehm zu gehen. Die Sonne brennt von oben, nur die Fliegen nerven ein wenig. Na, der See heißt nicht grundlos „Mückensee“. Ich komme dem Berg immer näher und meine Motivation, bis zum Gipfel zu klettern, schwindet immer mehr.

Am Fuße angekommen treffe ich auch endlich die ersten anderen Wanderer. Ich dachte schon, ich sei alleine mit dieser Idee an diesem herrlichen Sonnentag. Etwa 100m unterhalb des Gipfels ließ ich mich nieder – den Rest schenkte ich mir. Hier gab es Steine, die groß genug zum Sitzen waren. Der Ausblick war auch hier schon phänomenal. So machte ich Rast, kramte etwas Marschverpflegung aus meinem Rucksack und freute mich leicht erschöpft meines Daseins.

Man sah von hier die gesamte Gegend: den Vulkankrater, den monströsen Kastengletscherberg dahinter, den See, die Campingplätze, den Flugplatz, das Flugzeug von oben, das große Lavafeld, mit Schnee bedeckte Berge am Horizont, die heißen Quellen und ab und an auch ein paar Schaafe.

Erholung auf dem Zeltplatz

Nach knapp 5 Stunden bislang ging es nun auf den Rückweg. Da es fast ausschließlich bergab ging, war ich etwa 1 Stunde später schon wieder zurück. Die Sonne brannte noch immer, also legte ich mich auf dem Zeltplatz eine Weile ans Ufer und tankte Sonnenstrahlen.

Später im Küchenzelt ging die Post ab. Ich machte vier verschiedene Grüppchen an den Kochplatten aus, während ich eine Portion Beef Jerky aß. Die deutsche Familie schien ein Festmahl zuzubereiten. Deren Tisch ist randvoll mit gefüllten Tüten. Die beiden Österreicher Mark und Max gesellten sich mit zu mir an den Tisch. Es sollte das letzte Mal sein, daß ich mit ihnen sprach. Sie machten sich eine Pilzpfanne mit selbst gesammelten Schwammerl. Am Fenster wurde ein Tisch frei und die deutsche Familie siedelte sofort hinüber. Vater und Sohn sitzen dort, während die Mutter am Herd steht. Typisch deutsch?! Der Vater trinkt aus einer McKinnley-Thermoskanne frisch zubereiteten Filterkaffee.

Wenig später neigte sich die Sonne sehr tief, der Untergang stand unmittelbar bevor. Beinahe fluchtartig strömten alle Photo-Freunde zum Ufer, positionierten sich und ihre Kamera entsprechend und knipsten wild darauf los. Ich packte mein Stativ aus, hatte zum Glück auch meinen Ersatzakku griffbereit und tat es ihnen gleich.

Gegen 21 Uhr wurde es bereits ziemlich frisch, also verkroch ich mich im Zelt. Draußen versuchte sich ein Pärchen noch an Gegenlichtfotos (Amateure) und ein Mädel blitzte die untergegangene Sonne an (Ama- ach, egal).

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