Akureyri – die Hauptstadt des Nordlandes

Akureyri ist nur die viertgrößte Stadt Islands, dafür aber die bevölkerungsreichste Region außerhalb von Reykjavik. Es wohnen etwa 18.000 Einwohner in der Hauptstadt des Nordens und dafür hat die Stadt enorm viel zu bieten.

Wer eine Reise nach Island macht, kommt eigentlich um Akureyri nicht herum. Spätestens wenn es gen Norden geht, ist das die erste Adresse. Es gibt jede Menge Busverbindungen hierher und sogar einen Flughafen. Man kann auch ohne Auto relativ gut von Reykjavik nach Akureyri reisen.

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt als dänischer Handelsposten gegründet. Aufgrund der guten Lage bot sich auch ein Hochseehafen an. Allerdings wuchs die Stadt erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts an. Sie hat sogar eine Universität, wenn auch erst seit 1987.

Perle des Nordens

Während meiner Reise bin ich 2x hier gewesen. Gewissermaßen ist es mein Dreh- und Angelpunkt für meine Nord-Erkundungen gewesen. So bin ich von hier nach Ásbyrgi gefahren zu meiner Wanderung zum Dettifoss und über den See Mývatn schließlich wieder hierher zurückgekehrt. Allerdings hatte ich erst beim zweiten Aufenthalt auch genügend Zeit und vor allem richtig gutes Wetter, um mir auch die Stadt selbst näher anzuschauen.
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Das besondere Flair der Stadt macht die Lage aus. Sie liegt am Ufer des Fjords Eyjafjörður. Es gibt jede Menge Wasser und direkt dahinter ranken recht hohe Berge empor. Direkt hinter Akureyri im Südwesten befindet sich der Hausberg Súlur. Akureyri liegt nur rund 50 Kilometer südlich des Nördlichen Polarkreises.

In der Touristen-Info holte ich mir einen kleinen Stadtplan mit vier verschiedenen Sightseeing- bzw. Wandertouren durch die Stadt. Ich beschloß, einfach alle vier Touren miteinander zu kombinieren und somit die Stadt möglichst flächendeckend erforschen zu können. Tour 1 geht entlang des alten Hafens, Tour 2 einmal quer durch den nördlichen Teil der Stadt vorbei am Fluß Glerá und der Universität, Tour 3 durch die grüne Innenstadt mit dem Botanischen Garten und Tour 4 entlang der vielen Museen.

Sightseeing in Akureyri

Das zu beschreiben, bringt nur bedingt etwas. Ich lasse dafür die Bilder-Galerie sprechen. Hervorheben möchte ich nur einige Dinge:

Die Kirche von Akureyri thront gewissermaßen über der gesamten Stadt. Man kann sie nicht übersehen und von dort aus hat man einen ausgezeichneten Blick über die Stadt und die Bucht.

Das Hafen-Viertel besteht aus vielen kleinen Wohnhäusern. Man möchte erahnen, wie es Jahrunderte vorher hier ausgesehen hat. Vom Fisch selbst sieht und riecht man allerdings nichts mehr.

Entlang des Flusses Glerá läßt es sich ausgezeichnet spazieren.Ein altes Wasserkraftwerk gibt es hier noch zu bestaunen. Und in unmittelbarer Nähe befindet sich die Universität. Markant ist die gigantische Glocke. Zu welchen Anlässen wohl ihr Läuten zu hören sein wird?

Im Botanischen Garten kann man durchaus etwas Ruhe tanken. Da ich selbst kein begnadeter Botaniker bin, ist es für mich leider kaum mehr als eine grüne Oase der Ruhe. Die vielen Museen insbesondere an der Ufer-Gegend machen optisch viel her, nur hinein bin ich in keines. Irgendwie geben mir Museen nur selten wirklich etwas. Ich glaube, ich habe mehr Freude daran, einfach nur die Umwelt, also das, was sich unmittelbar um mich herum befindet, genießen zu können.

Bláa Kannan Café

Die Innenstadt bzw. das Zentrum besteht aus wenigen Straßen. Zahlreiche Restaurants, Läden, Cafés mit teils wirklich schicken Fassaden laden ein zum Verweilen. In eines davon habe ich mich abends auch regelmäßig hineinbegeben. Warum? Von außen wirkte die Holzfassade sehr interessant. Ein Schild mit „Happy Hour 17-20“ machte neugierig. So überquerte ich die Schwelle.

Im Inneren sah das Lokal noch viel schöner aus. Die holzverzierten Wände wirkten in dem Licht warm und gemütlich. Es gab ein reichhaltiges Angebot an Kuchen und Kaffee sowie auch einiges an Alkohol. In besagter Happy Hour kostete das Bier z.B. nur 650 ISK, also ca. 5 EUR (normal 950 ISK / 7,40 EUR). Das hatte in etws Pub-Niveau von Schottland, sagte ich mir und hier fand ich mehr als genug Zeit zum Beobachten und zum Schreiben.

Viele Touristen kehrten hier ein, bestellten sich etwas Kuchen, etwas zum Trinken, wärmten sich auf und zogen weiter. Viel interessanter fand ich die einheimischen Gäste, die hier trotz der aus deutscher Sicht stattlichen Preise auch regelmäßig einkehren und trotz der relativ kurzen Aufenthalte (vielleicht 30-45min) immer 1-2 Getränke nehmen. Das durchschnittliche Einkommen in Island wird durchaus um einiges höher sein als in Deutschland. Da kann man das mal machen.

Jedenfalls war es sehr interessant, die Gäste zu beobachten. Darunter befanden sich natürlich Pärchen, aber auch Freunde kamen zum Reden hierher, dann und wann saß auch jemand – wie ich – alleine an einem Tisch, hielt sein Glas fest und dachte vermutlich über Gott und die Welt nacht. Einige der Gäste nervten mich ziemlich, redeten sie zu euphorisch oder machten mit ihren Gliedmaßen störende Geräusche. Andere faszinierten mich mehr. Es gab Pärchen, die nur auf ihre Smartphones schauten, sich kaum etwas sagten. Wie bei uns. Am ersten Abend traf ich sogar ein Mädel, das mit mir im Bus von Reykjavik nach Akureyri saß, am Tisch neben mehr. Sie schien ebenfalls alleine zu reisen.

Unter dem Café befindet sich ein Club, in dem es Live-Musik gibt. Ich war Freitag- und Samstagabend hier und hätte so die Gelegenheit auf zwei Coverband (Amy Winehouse und System of a Down) gehabt. Ich entschied mich allerdings dagegen, da es erstens recht spät angefangen hätte (nach 22 Uhr), so daß es draußen wirklich schon recht kalt (um die 5°C) geworden wäre, zweitens wäre es auch ziemlich teuer geworden (Eintritt über 20 EUR zzgl. Getränke). So begnügte ich mich mit den Proben, die man hier sehr gut spürte – und auch hörte.

Ein Zeltplatz mitten in der Stadt

Ursprünglich hatte ich vor, auf dem Zeltplatz Hamar südlich der Stadt zu übernachten. Die Bewertungen lasen sich im Internet hervorragend. Allerdings ist dieser etwa 4,5 km vom Busbahnhof entfernt und darauf hatte ich mit meinem Gepäck nur bedingt Lust. Als ich das erste Mal ankam, wußte ich nur von diesem und fügte mich bereits meinem Schicksal. am Abend sowie am sehr frühen nächsten Morgen diesen strapaziösen Weg gehen zu müssen.

Zum Glück entschied ich mich einen Abstecher zur markanten Kirche zu machen. Auf dem Weg dorthin passierte ich einen Wegweiser, den ich anfangs gar nicht wahrnahm. Aber da im Hintergrund die schönen Fassaden der Häuser mich zu Photo-Motiven hinrissen, kam ich nicht umhin, dem Wegweiser Beachtung zu schenken. Und siehe da, es gab noch einen zweiten Zelplatz in nur 700m Entfernung. Mein Herz hüpfte vor Freude und Erleichterung.

Nicht weit hinter der Kirche im Westen befindet sich ein Thermalbad. Direkt dahinter liegt der wirklich sehr zentral gelegene Zeitplatz. Von der Ausstattung her ist er nicht besonders, aber es gibt eine ausreichend große Liegewiese, Strom zum Aufladen, sanitäre Einrichtungen (Duschen für 300 ISK) und eben kurze Wege zu allen relevanten Punkten. Für 1.400 ISK durfte man hier übernachten. Das allein war für mich schon Grund genug, auch beim zweiten Aufenthalt definitiv wieder hier zu rasten – obgleich die Dusche defekt war. Neben dem Zektplatz gibt’s zudem einen Supermarkt, der jeden Tag bis 23 Uhr geöffnet hat. Ziemlich paradiesisch.

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