First time hitchhiking

Zwei Tage wanderte ich durch den Jökulsárgljúfur-Nationalpark. Nach der Erleichterung, die Tour geschafft zu haben, gab es allerdings noch das Problem, von dort aus wieder wegzukommen.

Was bisher geschah:

Der Dettifoss befindet sich im Süden des Jökulsárgljúfur-Nationalparks.  Dort existiert ein kostenloser Zeltplatz. Kostenlos klingt an sich gut, nur ist dieser Zeltplatz nichts weiter als eine wiesenähnliche weitgehend ebene Fläche, an dem es Trinkwasser-Kanister gibt, die von den Rangern täglich wieder aufgefüllt wird sowie das Plumpsklo auf dem Parkplatz, das allerdings frequentiert von den vielen Touristen genutzt wird.

Das Wetter war typisch isländisch. Den ganzen Tag gab es immer wieder leichten bis mäßigen Sprühregen und je höher man kam, nahm der Wind auch zu. Eine Übernachtung war also nicht sehr reizvoll, denn was will man die ganze Zeit dort anstellen?

Zum Touristenziel Dettifoss fahren auch reguläre Linienbusse. Allerdings gibt’s pro Route/Ziel nur eine Fahrt am Tag. Das schränkt die Flexibilität durchaus ein. Immerhin galt noch der Sommerfahrplan, sonst wären einige Routen bereits weggefallen. Ich wollte zum Mückensee (Mývatn). Es fuhren noch genau zwei Busse dorthin, allerdings schon 12:30 Uhr und 13:00 Uhr. Es war aber inzwischen schon nach 16 Uhr.

Hitch – The Hikedoctor

Die einzige in Frage kommende Alternative war das Trampen. Von selbst wäre ich sicherlich nicht darauf gekommen, denn ich hatte das noch nie getan. Es drängte sich allerdings regelrecht auf.

In Vesterdalur unterhielt ich mich abends mit den beiden Deutschen Jakob und Jonas. Sie trampten die gesamte Island-Zeit und meinten, damit eigentlich immer sehr gut voranzukommen. Nur im Hochland hätten sie auf den Bus zurückgegriffen, da dort einfach zu selten ein Auto entlangfährt.

Am Dettifoss traf ich auch die beiden Österreicher Mark und Max wieder, war nur kurz nach ihnen angekommen. Beide hatten ebenfalls das konkrete Ziel zu trampen. Sie waren allerdings so „dreist“, daß sie direkt auf den Wanderwegen zum/vom Dettifoss die Touristen ansprachen und fragten. So wurden sie sogar sehr schnell fündig.

Als ich am Dettifoss ankam, war ich fix und foxi. Spätestens da stand für mich fest, nicht am Dettifoss übernachten zu wollen, also nicht bis zum nächsten Tag 12:30 Uhr warten zu wollen. Ich versuchte mich auf das einzustellen, das nun vor mir lag. Eine Mischung aus Ungewißheit, Aufregung und Hoffnung, aber auch Entschlossenheit kristallisierte sich heraus.

Fremde Touristen anzusprechen, ist nicht so mein Ding. Als wenig später auch die beiden Deutschen am Dettifoss eintrafen, stellten wir uns ans Ende des Parkplatzes und hielten dort den Daumen heraus. Ein weiteres deutsches Pärchen stand ebenfalls dort. Vielleicht war es strategisch nicht so ideal, daß gleich drei „Grüppchen“ dort standen, da es die Autofahrer irritieren oder gar abschrecken könnte und sie deshalb nicht anhielten. Wir standen jedenfalls etwa eine Stunde herum und nicht einer hielt bei uns an.

Die Frau vom deutschen Pärchen ergriff irgendwann die Initiative und sprach auf dem Parkplatz jemanden an. Derjenige meinte aber nur „You’re hitchhiker? Sorry, no.“ und so warteten wir weiter. Wenig später versuchte sie es erneut bei einem, der alleine zu einem recht großen Jeep ging und auf einmal winkte sie ihren Mann herbei, meinte dabei etwas von wegen Mývatn. Ich wurde hellhörig und erkundigte mich, ob vielleicht auch noch Platz für mich wäre.

Tatsächlich! Der Fahrer mußte seine Sachen noch etwas anders verstauen, aber irgendwie paßte ich mit meinem großen Rucksack noch mit auf die Rückbank, die Füße auf irgendwelchen Utensilien des Fahrers. Nicht bequem, aber ich war drin. Drin im warmen Auto, das mich wohl wirklich bis ans Ziel fahren könnte. Mir waren die Schmerzen vom verkannteten Sitzen völlig egal. Ich war dankbar, glücklich und erwartungsvoll.

Wir fuhren los. Nach einer Weile, kurz vor einer T-Kreuzung zur Ringstraße, hielt er an und wir stiegen aus. Ich schielte auf die Wegweiser an der Kreuzung und merkte, daß ich noch sehr weit von Mývatn entfernt war. Etwas geknickt stand ich neben dem Auto. Ich fragte mich, wieso ich vorhin etwas von Mývatn gehört habe.

Die Frau meinte, er fahre in die Richtung. Sie wollten aber weiter nach Osten. Oha! Ich klopfte schnell an die Scheibe der Fahrertür, fragte gezielt nach und der Fahrer – übrigens ein Österreicher, also konnte ich inzwischen deutsch sprechen – zeigte mir, daß er fast bis nach Mývatn fährt, kurz vorher eben abbiegen müßte.

Ich sprang wieder ins Auto. Wieder war ich glücklich, dankbar und noch erwartungsvoller. Wie weit weg oder nah dran würde ich diesmal kommen? Ich realisierte, daß das Trampen etwas ganz anderes ist, als wenn man normale Mitfahrgelegenheiten bucht. Man vereinbarte keine Leistungen, sondern fuhr nur devot und dankbar soweit mit, wie der Fahrer es wollte. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab das Ganze für mich. Knapp 6km vor Mývatn ließ er mich raus.

Die heißen Quellen „Hverir“ am Námafjall

Glück im Unglück, dachte ich. Hverir ist nämlich eines der Sightseeing-Ziele rund Mývatn. Ich konnte also einen Haken daran machen. Allerdings war ich noch etwa 1h Fußmarsch vom Zeltplatz entfernt. Egal. Ich knipste erstmal ein paar Fotos, wenn ich schon mal hier bin.

Es wurden wirklich nur ein paar Fotos, denn viel länger hielt ich es dort nicht aus. Diese heißen Quellen riechen nämlich sehr stark nach Schwefel. Das muß man sich wie sehr viele sehr faule Eier vorstellen. Ich bin bei Gerüchen gerne mal sehr empfindlich und hier würgte es mich regelrecht.

Auf dem Parkplatz traf ich die beiden Österreicher wieder. Kurios und irgendwie auch etwas beruhigend. Ihre Fahrer hatten hier ebenfalls Halt gemacht, allerdings würden sie noch mit zum Zeltplatz kommen. Dorthin wollte ich auch schnellstmöglich. Laufen kam für mich nicht wirklich in Frage, also stellte ich mich ans Ende des Parkplatzes und hielt den Daumen hoffnungsvoll raus.

Vielleicht wirkte ich souveräner, wissender als noch am Dettifoss. Bereits das dritte Auto hielt an, ein kleiner Jeep mit einem französischen Schweizer. Er nahm mich zum Mývatn mit. Genial. Ich hüpfte rein und war dankbar und glücklich.

Wie erwähnt: Er ist Schweizer aus der französischen Ecke. Er sprach also kein Deutsch. Sein Englisch hatte einen starken französischen Akzent. Zusammen mit meinem brillanten Holper-Englisch entstanden daraus fruchtbare Dialoge. Nicht. Wir beide wollten uns gerne unterhalten, aber beide merkten wir, wie unsere sprachlichen Möglichkeiten an ihre Grenzen gerieten. Aber wir freuten uns dennoch, ich vielleicht noch etwas mehr.

Der Zeltplatz am Mývatn in Reykjahlíð

Er ließ mich am Zeltplatz raus. Er selbst wollte zu einem anderen, etwas weiter südlich. Ich wußte von den Österreichern, daß der Zeltplatz in der Nähe von der Touristen-Info richtig gut sein soll. Und da war ich nun.

An der Rezeption mußte ich beinahe lachen. Direkt vor mir standen die beiden Österreicher. Ich meldete mich an, erst einmal für zwei Nächte. Kostenpunkt: 1.700 ISK oder 10 €. Wow. Ich hatte zum Glück noch Euro in bar dabei, also konnte ich die preiswertere Variante nutzen.

Als ich die Rezeption verließ, mußte ich dann wirklich lachen. Direkt vor mir standen auf einmal die beiden Deutschen. Eigentlich wollten sie nach Akureyri trampen, aber anscheinend fanden sie nur noch eine Mitfahrgelegenheit nach Reykjahlíð. Und ehe sie gar nicht mehr wegkommen, legten sie diesen Zwischenstop ein. Beinahe ein Familientreffen.

So zufrieden baute ich schon lange kein Zelt mehr auf. Nach nur knapp 10 min stand es und ich konnte nach drei Tagen endlich wieder duschen gehen. Duschen in der Nähe von Schwefelquellen. Was das bedeutet, spürte ich recht bald. Das Wasser roch nämlich auch danach, egal ob warm oder kalt. Urgs.

Ich war aber endlich wieder sauber, trug auch wieder saubere Kleidung und machte mich auf dem Weg zum Supermarkt. Es soll nämlich einer unmittelbar neben der Touristen-Info sein. 20:05 Uhr war ich dort. Bis  20 Uhr hatte er aber nur offen. Er war folglich zu und ich stand durstig draußen vor der Tür. Zum Glück hatte ich noch etwas Milch. Besser als das nach Schwefel riechende Wasser (obwohl es Trinkwasserqualität haben soll).

2 Gedanken zu „First time hitchhiking“

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